Lifestyle: Ein Fotografie-Guide für das perfekte Streetstyle-Bild

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Lifestyle: Ein Fotografie-Guide für das perfekte Streetstyle-Bild

Ein Leitfaden von Shanti 

Die Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden, sind tatsächlich: Wie macht ihr eure Fotos? Wie bearbeitet ihr eure Bilder? Welche Kamera benutzt ihr? Etc. 
Diese Fragen werden aber offensichtlich nicht nur uns gestellt. Auf den meisten Blogs findet man irgendwo einen Kamera-Guide der Macher bzw. Macherinnen. Und die meisten beginnen mit der Vorstellung ihres Equipments, was meiner Meinung nach aber eher unwichtig ist. Die Kamera ist in erster Linie NICHT entscheidend für gute Fotos! Weder die Bearbeitung, noch die Kamera machen aus einem Foto ein Meisterwerk. Viel mehr ist es das Zusammenspiel aller Komponenten. Das Allerwichtigste an der ganzen Geschichte ist tatsächlich die Person, die hinter der Kamera steht. Und somit kommen wir zum entscheidenden Punkt: Übung macht den Meister! Man kann auch mit dem Smartphone starten, einer kleinen Digitalkamera oder einer Einsteiger-Spiegelreflex. Natürlich macht eine teure Vollformat-Kamera wunderschöne Fotos, aber eben auch nur, wenn der Fotograf weiß, was er tut. Und weil ich nun mal Fotografin bin und zum Glück gelernt habe, was ein gutes Foto ausmacht, möchte ich mein Wissen und meine Erfahrungen hier mit euch teilen. Ich versuche euch statt eines reinen Technik-Beitrags, eine kleine Anleitung für gute Outfit- und Streetstyle-Fotos an die Hand zu geben. Wer sich allerdings auch für den technischen Aspekt interessiert, findet am Ende des Beitrages noch einen Extrakasten mit Infos. 


Die Perspektive

Um ein spannendes Foto zu kreieren, reichen oftmals kleine Veränderungen aus. Zum Beispiel einfach mal die Position, aus der man fotografiert zu ändern, sich hinzuknien, sich irgendwo daraufzustellen etc. Einfach Herumprobieren! Auch eine Subjektive des Fotografen kann oft eine coole Wirkung haben. Also das Foto wirklich aus dem eigenen Blickwinkel heraus zu schießen (wie das Bild von den Schuhen in der Mitte).


Die Bildgestaltung

Es gibt verschiedene Bildgestaltungsregeln, an denen man sich immer orientieren kann. Zwei davon sind: Die Person im goldenen Schnitt zu positionieren oder die Drittel-Regel anzuwenden. Das bedeutet, dass man die Person im Bild nicht mittig positioniert, sondern leicht versetzt. Vereinfacht erklärt, gleicht das einer Bildaufteilung von 2/3 : 1 (Eine genaue und mathematische Erklärung dazu findet ihr HIER). Will man gar nichts wagen und auf keinen Fall etwas falsch machen, kann man sich sehr gut an diese Regeln halten. Das Schöne an der Fotografie ist jedoch in meinen Augen das Ausprobieren. Mein Motto lautet: Gib dem Zufall eine Chance. Oftmals ergeben sich vor Ort ganz spannende Gestaltungsmöglichkeiten, wobei man auch wunderbar Gegenstände, Bäume etc. mit ins Bild einbeziehen kann. Für das erste Bild habe ich mich z.B. hinter einen geparkten Motorroller gestellt, den Seitenspiegel unscharf mit ins Bild genommen und damit einen interessanten Vordergrund kreiert. Mein Professor sagte einmal zu mir, etwas mittig im Bild zu positionieren wäre ein „Designtotschlag“. Ich denke jeder, der einmal einen Wes Anderson Film gesehen hat, kann das widerlegen. „Moonrise Kingdom“ und „The Grand Budapest Hotel“ gehören zu meinen Lieblingsfilmen. Und so kann auch ein komplett symmetrisches Bild seinen Reiz haben (s. Bild 2) 
Falls ein Hintergrund zu langweilig wirkt oder zu unspektakulär erscheint, probiert einfach mal die Kamera zu drehen! Aber Achtung: Entweder ganz oder gar nicht! Falls ihr ein Bild schief fotografieren wollt, dann auch richtig schief. Ansonsten wirkt das Foto schnell unmotiviert 😉 Aber generell haben auch „unperfekte“ Bilder sehr viel Charme und ich würde euch wirklich ans Herz legen, nicht zu verkrampft und perfektionistisch an die Sache heranzugehen. Oftmals sind zufällige Schnappschüsse die authentischsten Fotos. 


Der Bildinhalt

Ein wichtiger und entscheidender Punkt ist natürlich auch der Bildinhalt. Dazu zählt bei der Streetstyle- oder Outfit-Fotografie sowohl die Person, als auch das Styling. Man sollte nicht unterschätzen wie viel hochwertige Stoffe und ein cooler Gesamtlook ausmachen. Einen kleinen Stylingratgeber für den perfekten Streetstyle-Look findet ihr HIER
Und vielleicht ist euch auch schon mal aufgefallen, dass auf den meisten „Streetstyle“-Fotos die Personen in Bewegung sind. Und das hat auch einen guten Grund: ein Outfit sieht in Bewegung meist einfach besser aus, als ganz statisch. Ein flatternder Rock, ein rutschender Ärmel oder eine Jacke, die über die Schulter geschwungen wird – all das macht ein Outfit-Bild lebendig, dynamisch und interessant. 


Das Licht

Der Punkt „Licht“ gehört eigentlich zum Bereich Bildgestaltung, ist meiner Meinung nach aber so wichtig, dass er einen eigenen Abschnitt verdient hat.
Eine einfache Regel, die man sich merken sollte: Kein gutes Licht = kein gutes Foto! Gutes Licht ist das A und O in der Fotografie. Vor allem wenn man sich dafür entscheidet mit „Available Light“, also ohne Hilfsmittel wie Blitz etc. zu fotografieren. Zugegebenermaßen ist das nicht nur einer der wichtigsten Punkte, sondern auch einer der schwierigsten, denn man hat nun mal meistens keinen Einfluss auf das Wetter und Mrs. oder Mr. Sonne 😀 Auch uns macht das Licht oft einen Strich durch die Rechnung und wir müssen einsehen, dass es an diesem Tag einfach keinen Sinn macht zu fotografieren. Wenn man aber aus Zeit- oder Termin-Gründen mit dem gegeben Licht arbeiten MUSS, kann man sich an gewissen Punkten orientieren:

  • pralle, direkte und somit frontale Sonneneinstrahlung vermeiden. Der Schattenwurf ist einfach zu hart. Außer ihr möchtet das als Stilmittel verwenden (s. Bilder)
  • Lieber im Gegenlicht fotografieren, keine Angst wenn der Vordergrund somit sehr dunkel erscheint. Wenn ihr mit einer Spiegelreflex-Kamera fotografiert, könnt ihr im Camera-Raw-Format viele Bildinformationen wieder zurückholen, aufhellen oder abdunkeln.
  • Fotos werden am besten wenn die Sonne scheint, man sich aber im Schatten positioniert.

Wie schon oben erwähnt kann man das Licht auch als Gestaltungsmöglichkeit verwenden und z.B. mit Schatten und hellen Akzenten arbeiten. Keine Angst, wenn mal etwas zu hell erscheint, denn oftmals sieht auch das richtig cool aus.


Die Location

Der Hintergrund oder in diesem Fall auch die Location gehören sowohl zum Bereich des Bildinhalts und der Bildgestaltung, stellen aber trotzdem einen entscheidenden, eigenen Punkt dar. Generell ist es wichtig, die Location ein bisschen dem Outfit anzupassen bzw. diese beiden Komponenten ein wenig aufeinander abzustimmen. Ein schlichtes, cooles Outfit wirkt in einer cleanen, statischen Umgebung gut, während ein süßes Kleidchen auch vor einem blühenden Baum toll aussehen kann. Aber auch ein Stilbruch kann cool aussehen. Also z.B. ein mädchenhafter Style in einem belebten Industriegebiet. Beim Thema Streetstyle ist es vor allem wichtig, eine urbane Umgebung zu wählen und tatsächlich auf der Straße zu fotografieren. Also nicht in einer Familiensiedlung mit Vorgärten, sondern lieber in der Innenstadt shooten. Da ist es auch nicht so schlimm, wenn mal ein Fußgänger unscharf im Bild zu sehen ist. Aber bitte darauf achten, dass die fremdem Menschen auf den Fotos nicht zu erkennen sind!! 


Hier noch ein paar wichtige Infos zu den Objektiven und Kameraeinstellungen bei Spiegelreflex-Kameras: 

Generell finde ich es super schwierig in diesem Bereich konkrete Tipps zu geben, da die Objektive und Einstellungen immer ganz individuell und situationsabhängig gewählt werden müssen. 
Da dieser Foto-Guide aber vor allem auf das Thema Outfit-Fotos und Streetstyle-Fotografie abzielt, kann ich euch  ein paar Empfehlungen geben.
Kamera und Objektive:
Falls ihr mit einer Spiegelreflex-Kamera liebäugelt oder schon eine besitzt, würde ich euch zum fotografieren von Outfits eine 35mm oder 50mm (Kameras mit APSC Sensor) bzw. 50mm oder 85mm (Vollformat) Festbrennweite empfehlen. Ich möchte hier nicht weiter auf Vor- und Nachteile der beiden Kameratypen eingehen. Generell bin ich der Meinung, dass man nicht unbedingt eine Vollformat Kamera braucht, wenn man gerade erst anfängt zu fotografieren. Meine erste eigene Kamera war eine Canon 550 D, mit der ich sehr zufrieden war. Berufsbedingt besitze ich jetzt natürlich eine Kamera mit Vollformatsensor und benutze für fast alle unsere Outfit-Bilder mein Sony Zeiss 55mm f 1.8 (Kamera hier , Objektiv hier) Der Grund für eine Festbrennweite liegt darin, dass man hier mit einer niedrigen Blendenzahl fotografieren kann. Und ja, genau damit entstehen die schönen Bilder mit geringer Tiefenschärfe. Die Standard-Zoomobjektive haben meist nur f 4.0 und büßen beim zoomen auch sehr viel an Lichtstärke ein. Ein vergleichbares und gutes Zoom-Objektiv mit z.B. f 2.8  ist somit sehr viel teurer.
Brennweite:
Je weitwinkliger das Objektiv, desto verzerrter sind die Linien. Je länger die Brennweite, desto gerader sind die Linien. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, aber das ist wieder eine Preisfrage. Weitwinkel eignen sich besonders gut für Situationen, in denen man nicht viel Platz zur Verfügung hat, für Landschaftsaufnahmen und Flatlays. Man kann damit natürlich auch Outfit und Portrait-Aufnahmen machen, das ist  Geschmacksache. Ich finde allerdings, dass sich eine längere Brennweite eher dafür eignet. Der Nachteil: Man muss sich viel bewegen und oftmals kreative Ausschnitte wählen, da man nicht so flexibel ist. Ich finde diese Ausgangssituation jedoch perfekt zum üben 🙂
Kameraeinstellungen: 
Übt auf jeden Fall im Manuell-Modus! Somit bekommt ihr ein viel besseres Gespür dafür, wie sich Blende, ISO und Belichtungszeit zueinander verhalten. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass ihr am Anfang auch mal probiert, die Schärfe manuell zu ziehen. Auch ich habe so angefangen zu fotografieren. Und ich kann euch sagen, wenn das Licht mal schlecht und der Autofokus nicht mehr zu gebrauchen ist, bin ich sehr dankbar für die damalige Übung 🙂
Generell ist es bei Outfit-Bildern und auf Fotos, auf denen sich die Person bewegt, wichtig die Belichtungszeit nicht zu niedrig einzustellen. Sonst sind die Bilder verschwommen. Das ist natürlich sehr vom vorhandenen Licht abhängig. Und auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel und ein Bild mit Bewegungsunschärfe kann auch super cool aussehen. Probiert es einfach aus!


Neben all diesen Punkten ist natürlich die auch die Bildbearbeitung wahnsinnig wichtig und unerlässlich für ein tolles Foto. Allerdings ist die Art und Weise, wie wir unsere Bilder bearbeiten relativ umfangreich und das würde deutlich den Rahmen sprengen. Daher werden wir in naher Zukunft einen eigenen Beitrag zum Thema Bildbearbeitung hier auf dem Blog veröffentlichen.
Schreibt uns gerne einen Kommentar, ob dieser Beitrag hilfreich für euch ist und ob ihr auch Interesse an Presets oder einem Workshop habt 🙂 Und wenn ihr noch Fragen zum Thema Fotografie habt, immer gerne her damit! 

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Comments

  1. Ein sehr toller und aufschlussreicher Post von euch!

    Ich muss generell mal sagen, dass ihr nicht nur tolle Outfitideen habt, sondern auch die Bilder sind bei euch immer von bester Qualität! Ganz großes Lob!
    Es macht richtig Spaß durch euer Feed oder auch durch den Blog zu stöbern!

    Liebe Grüße
    Katja

    http://www.cestlevi.blog | Follow me on Instagram

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