Kolumne: Eine Hommage an die Woodstock-Generation

In Lifestyle by Anja2 Comments

Eine Hommage an die Woodstock-Generation

Warum ich manchmal das Gefühl habe, im falschen Jahrzehnt geboren zu sein

Vorweg muss ich sagen: im Großen und Ganzen bin ich mehr als zufrieden mit meinem Leben. Und ich finde auch die heutige Zeit und unsere „Generation Y“ eigentlich ganz okay. Aber hin und wieder packt sie mich. Eine Art Sehnsucht nach der Vergangenheit. Nach einer Zeit, die so wunderbar entspannt, friedlich und trotzdem so aufregend klingt. Besonders dann, wenn ich Reportagen über das legendäre Woodstock-Festival in den USA sehe oder meine Eltern von ihren Reisen in den 70er Jahren erzählen. Mein Vater ist damals mit drei Freunden (selbstverständlich alle mit langen Haaren und in Schlaghosen) in einem alten VW-Bus durch Länder gereist, die heute auf der roten Liste des auswärtigen Amts stehen. Mit meiner Mutter hat er in Indien in Vorgärten fremder Menschen gezeltet und gemeinsam saßen sie, wie tausend andere junge Menschen damals, total gespannt vorm Radio, um endlich den neuen Song der Beatles zu hören. Ich kann mir nicht helfen aber irgendwie klingt diese Zeit so viel schöner als die heutige.
Klar, unser Alltag ist deutlich entspannter. Wir müssen keine Briefe mehr schreiben, können online shoppen und immer und überall auf Informationen zugreifen. Trotzdem habe ich manchmal das Gefühl, 20-30 Jahre zu spät auf die Welt gekommen zu sein und das Beste verpasst zu haben.
Stichpunkt Festivals: Ich liebe Open-Air-Veranstaltungen. Allerdings ist das Ganze heutzutage auch immer mit Strapazen und Stress verbunden. Sich rechtzeitig Tickets sichern, stundenlanges Anstehen, detaillierte Personenkontrollen an den Eingängen und vor allem: die Outfit-Frage. Denn während unsere Eltern und Großeltern einfach in ihren Lieblings-Schlaghosen barfuß auf Wiesen getanzt haben, ist heute ein cooler Look auf Konzerten unter freiem Himmel mindestens genau so wichtig wie die Bands, die auftreten. Sehen und gesehen werden. Ja, das hat es früher auch gegeben. Auch meine Mutter war sehr auf ihren Style bedacht. Aber es gab einfach Situationen, in denen alles Äußerliche keine Rolle gespielt hat. Zum Beispiel dann, wenn das Idol einer ganzen Generation endlich die Bühne betrat und man sich zwei Stunden lang nicht mehr auf dieser Welt, sondern in ganz anderen musikalischen Sphären bewegte. Und was passiert, wenn eine der Lieblingsbands unserer Generation auf die Bühne kommt? Richtig, 90 Prozent der Konzertgäste zücken ihr Smartphone. Und zwar nicht nur, um den Moment für immer festzuhalten, sondern auch, um ein Selfie zu schießen oder anschließend eine richtig coole Instagram- oder Snapchat-Story zu posten. Man will zeigen: „Schaut mal, wo ich war und ihr nicht!“
Versteht mich nicht falsch, ich mache das selber auch. Aber währenddessen denke ich ganz oft: „Ich sollte diesen Moment eigentlich in vollen Zügen genießen. Mit meinen Augen und nicht über den Bildschirm meines Handys“. Tja, aber so leicht lässt sich das nunmal nicht abstellen. Schließlich wollen wir alle ja auch Teil der Social-Welt sein. Aber vielleicht ist das auch gerade der entscheidende Punkt: es ist nicht nur die „Love, Peace und Happiness-Attitude“, die die 70er Jahre so einzigartig machte, sondern auch die begrenzten technischen Möglichkeiten. Wenn man damals auf einem Festival war, gab es dort einfach nur die Musik, Freunde und vielleicht den ein oder anderen Joint. Ansonsten war dort nichts, was einen ablenken oder irgendwie unter Druck setzten konnte. Hmm… vielleicht sollte ich mein Handy einfach zuhause lassen, wenn ich das nächste Mal auf ein Konzert gehe. Aber was ist, wenn ich meine Freunde verliere? Dafür sind Mobiltelefone dann doch ganz gut. Und auch wenn wir es neuerdings etwas übertreiben mit dem Filmen und Knipsen.. es gibt kaum Fotos geschweige denn Videos von meinen Eltern auf Festivals und das ist doch eigentlich ziemlich schade. Zumindest für mich als Tochter. 
Sicher ist: über fehlendes Bildmaterial werden sich unsere Kinder in Zukunft nicht beschweren. Wahrscheinlich eher im Gegenteil 😉
Ach, eigentlich ist doch alles ganz okay so wie es ist. So lange wir es schaffen, eine Balance zwischen dem Posting auf den Social Media Kanälen und dem Genuss des echten Lebens halten, sind wir doch auf einem guten Weg. Und trotzdem: falls jemals eine funktionierende Zeitmaschine gebaut wird, würde ich mich hineinsetzten und mich in den Sommer von 1969 auf das Woodstock-Festival beamen. Und ihr?

Share this Post

Comments

  1. Sehr cool gemacht! Tolles Konzept und schöne Beiträge! Liebe Grüße, Toni

Leave a Comment