Kolumne Party

Kolumne: Spießer oder Party-Biest?

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Kolumne: Spießer oder Party-Biest?

Die zwei Gesichter der Anja 

Eigentlich bin ich super entspannt. Wirklich. Doch tief in mir steckt eine kleine Spaßbremse, die immer dann rauskommt, wenn es um meine Wohnung geht. Oder noch schlimmer: Partys in meiner Wohnung.  
Erklären kann ich mir das auch nicht, denn generell gehe ich gerne aus, liebe tanzen, trinke auch ziemlich gerne Alkohol und feiere ausgelassen mit meinen Freunden. Wenn es aber darum geht, eine Wohnungs-Party zu schmeißen, stellen sich mir sofort die Haare auf. „Die schöne Wohnung! Bestimmt verschütten die Leute etwas oder machen irgendwas kaputt“, geht es mir durch den Kopf. Und das Aufräumen danach… Es fängt ehrlich gesagt sogar schon im ganz Kleinen an: 
„Hallo Anja, seid ihr zu Hause? Ich bin in der Nähe und würde auf einen Sprung vorbeikommen!“ Ein solcher Anruf von Freundinnen löst nicht nur Freude über ihren Besuch, sondern auch Panik aufgrund der aktuellen Wohnungs-Chaos-Lage in mir aus. Auch wenn es gute Freundinnen sind und ich mich vor ihnen absolut nicht für das Durcheinander zu schämen brauche. Meinem inneren Spießer ist das egal. Ihm ist’s trotzdem unangenehm und er schlägt Alarm: Aufräumen im Zeitraffer ist angesagt! Mein Freund liegt währenddessen meist entspannt auf der Couch und murmelt etwas wie: „Ist doch nur Sophia, warum der Stress?“ Gute Frage! Frag den Spießer, nicht mich!
Selbst wenn angekündigter Besuch in unser dann sehr ordentliches Zuhause kommt, meldet sich die Spaßbremse in meinem Kopf. Die Freunde sitzen auf der Couch, erzählen lebhaft und wild gestikulierend eine lustige Anekdote aus ihrem Leben. Doch statt zuzuhören, fixieren meine Augen den bis zum Rand hin und her schwappenden Rotwein im Glas der plaudernden Freundin und unseren schönen schneeweißen Teppich direkt darunter. Meine Finger zittern. Mein Spießer will hinüberhechten und ihr das Glas aus der Hand nehmen. Oder wenigstens eine Serviette ausbreiten. Okay, eher ein Handtuch. Immerhin verkneife ich mir Kommentare und Aktionen und sage zu mir selbst: „Reiß dich zusammen, Anja!“
Und dann gibt es da aber auch noch die ausgelassene Anja, die von einem Spießer in sich noch nie etwas gehört hat. Sie verschüttet selbst den Wein in der Bar, grölt durch die U-Bahn oder tritt im Morgengrauen mit nur noch einem Schuh den Heimweg an. „Hoppla, jetzt habe ich Bier über meine neue Handtasche geschüttet“, lacht sie und prostet ihren Freundinnen zu. Wenn die Party-Anja an der Macht ist, habe ich auch überhaupt kein Verständnis für Freunde oder Mitmenschen, die keinen Spaß haben oder keinen Alkohol trinken wollen. „Jetzt stell dich nicht so an!“ oder „es hilft ja nichts“ sind dann beliebte Aussagen meinerseits. Tatsächlich bezeichne ich manchmal andere Leute als spießig, wenn sie mich bitten etwas leiser zu sein oder etwas Vorsicht mit dem Glas Rotwein in meiner Hand walten zu lassen. Verrückt, oder? Vielleicht bin ich in  dieser Hinsicht leicht 
schizophren. Aber ganz ehrlich: ein bisschen froh bin ich schon darüber, dass ich die Spießerin und das Party-Girl in mir habe. Mit nur einer von beiden wäre es auf Dauer bestimmt langweilig. 

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