Lifestyle: Fünf absolute Kult-Rock-Alben

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Lifestyle: Fünf absolute Kult-Rock-Alben

Warum manche Platten mehr sind als nur Musik


Janina Schlicht (28) lebt und arbeitet in Wiesbaden als Journalistin. Musik gehört bei ihr in jeder Lebenslage dazu. Der I-Pod ist ihr ständiger Begleiter und Konzertberichte ihre Leidenschaft

Egal, ob beim Festivalgänger, Rocker, Cellospieler oder Jazzfreak: manche Musikalben entdecke ich immer wieder im CD-Regal von Menschen mit ganz unterschiedlichem Musikgeschmack. Da tauchen plötzlich Cover auf, die man nicht nur aus Plattensammlungen kennt, sondern die auch als Poster oder sogar als T-Shirt-Aufdruck unvergesslich wurden. Für manche wecken sie Erinnerungen an die Jahrzehnte in denen sie erschienen sind, aber oft sind die Alben, die wir so lieben, älter als wir selbst.
Um uns ein bisschen in die Zeit von damals hineinzuversetzen, kaufen wir seit einigen Jahren wieder Schallplatten – obwohl sie so unhandlich sind und schnell verkratzen wollen wir manche Alben eben nicht nur über Spotify streamen. Aber es ist nicht nur das Kratzen der Nadel, was diese Songs auf Vinyl so anders klingen lässt als auf CD, sondern vielmehr der Vibe, der dahinter steckt.
Wenn ich heute im Radio zufällig „With or without you“ von U2 höre, denke ich nicht nur an die alte Schallplatte meines Vaters zurück. Diese Musik, die mich ein Leben lang begleitet, hat auch an meiner eigenen persönlichen Geschichte mitgeschrieben. So weckt Bonos Stimme immer die Erinnerung an das erste Date mit meinem Freund vor mehr als 13 Jahren, für dessen musikalische Untermalung das Album damals sorgte. Über meine Modesünden aus der neunten Klasse muss ich lachen, wenn ich „God safes the Queen“ höre, und „Smells like Teenspirit“ weckt die Erinnerung an die durchgefeierte Nacht vor meinem 18. Geburtstag. Das Stones-Logo mit dem Mund, der die Zunge rausstreckt klebte schon als Sticker auf meinem Dreirad – heute ziert es eines meiner Lieblings-Shirts. Und wenn ich die Textzeile „we don’t need no education“ höre, muss ich an das Geschimpfe meiner früheren Gitarren- und Basslehrer denken, die mit meinen Tonleiter-Übungen nie zufrieden waren. Dabei wollte ich nie die ganze Musiktheorie verstehen. Ich wollte die Musik spielen, die ich selbst nicht mehr nur höre, sondern auch fühle. Mit der ich so viele Erinnerungen verbinde, dass die Musiker dahinter zu meinen Helden wurden und weswegen bestimmte Alben somit auf meiner persönliche Kult-Liste landen:



„The Joshua Tree“ U2

Wenn ich Papas alte Schallplatte „The Joshua Tree“ von U2 auflege, muss ich alle Nebenbeschäftigungen fallen lassen, um zuzuhören. Die Originalversion von 1987 startet mit Sounds, die kaum eine andere Band mehr schaffen konnte. Im Intro verschwimmen die Arpeggios von Gitarrist The Edge zu einer Klangwelt, die durch den ganzen Raum fließt. Diese Sounds machten das Album zum Kult. Ein Handy könnte das Spektrum gar nicht widergeben und auch wenn U2 im Sommer zum 30-jährigen Jubiläum der Platte noch einmal mit diesen Songs auf Tour ging, haben viele Stücke diesen Reiz in der Zwischenzeit verloren: Als die CD auf den Markt kam, wurde sie neu abgemischt und der Originalsound ging verloren.


„Never Mind The Bollocks“ The Sex Pistols

Nur eine einzige CD brachten die Sex Pistols auf den Markt. Gerade einmal zwölf Titel sind auf „Never Mind The Bollocks“ zu hören. Als Sänger Johnny Rotten im letzten Jahr in Wiesbaden mit seiner aktuellen Band PIL auftrat, stand ich in der Konzerthalle mit gerade mal rund 100 anderen Besuchern – die meisten von ihnen trugen gelbe Pistols-Shirts. Darin, Rotten live zu hören, sah sicher nicht nur ich die Chance, dem ehemaligen Bassisten Sid Vicous noch einmal nahe zu kommen. Denn obwohl er angeblich keinen einzigen Song selbst eingespielt hatte, wurde er zur wahren Ikone des Brit-Punks. Er lieferte nicht nur Lieder im „Drei-Akkord-Schema“, sondern mit seiner komplizierten Beziehung zu Freundin und Groupie Nancy Spunger auch den Stoff für etliche tragische Liebesgeschichten – und sogar für eine Simpsons-Folge.



„Nevermind“ Nirvana

Ebenso unvergessen bleibt das schnelle Karriere-Ende von Curt Cobain. Der Erfolg des zweiten Nirvana-Albums „Nevermind“ war zu viel für den Sänger und Gitarristen. Das Album mit dem nackten Baby auf dem Cover ging nicht nur wegen der umstrittenen Fotomontage in die Rockgeschichte ein und „Smells Like Teen Spirit“ ist einfach ein absoluter Kult Song. Bei einem der bekanntesten Auftritte der Band – dem MTV-unplugged Konzert 1993, entschied sich die Band zur großen Überraschung der Fans dazu ihre größten Albumhits nicht zu spielen. Trotzdem schaffte die CD es kurz nach dem Tod des Sängers auf Spitzenplätze in den Charts. Bis heute gelten die Musiker von Nirvana als die Begründer des Grunges


„Exile on Mainstreet“ The Rolling Stones

Keith Richards dürfte der Aussage über Nirvana sicher nicht zustimmen. Er soll in einem Interview 2004 behauptet haben, dass das Rolling Stones Album „Exile on Mainstreet“ die Musikrichtung bereits 1972 begründet hatte. Die neuesten Kompositionen veröffentlichte die Gruppe 2016 auf dem Album „Blue & Lonesome“. In Deutschland spielten sie vor wenigen Monaten Konzerte, bei denen sie nach jahrzehntelanger Karriere noch immer große Hallen und Stadien füllten – obwohl die Tickets nur für einen dreistelligen Betrag zu bekommen waren. Als ewige Gegenspieler der braven Beatles-Popper bekommen die Stones also definitiv einen Punkt für ihr Durchhaltevermögen bis ins hohe Alter. 




„The Wall“ Pink Floyd

Doch nicht nur das Battle „Stones gegen Beatles“ spaltet seit jeher die Musikfangemeinde. Bei Pink Floyd treten Gitarrist David Gilmore und Bassist Roger Waters in einen jahrzehntelangen Wettstreit. Während Gilmours Anhänger sein Werk „The Dark Side oft the Moon“ zum besten Album der Kultband küren, schätzen Waters Anhänger das Konzeptalbum „The Wall“, das musikalisch auf Basslinien statt Gitarrenriffs basiert und inhaltlich die Geschichte eines Musikers erzählt, der sich durch eine Mauer immer mehr von seiner Umwelt abgrenzt, bis er schließlich völlig durchdreht. Eine Geschichte, die noch heute – rund 40 Jahre nach der Uraufführung – auf den Bühnen der Welt und in Programmkinos als Trickfilm erzählt wird.


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